Editorial

Die Gründung der Zeitschrift QfI - Qualifizierung für Inklusion reagiert als ein wissenschaftliches Publikationsorgan auf aktuelle Entwicklungen, die sich nicht nur in der erziehungswissenschaftlichen Forschung, sondern auch und insbesondere in außerwissenschaftlichen Feldern vollziehen. In einer sozialen Situation, in der sich pädagogische Institutionen und Handlungsfelder über lange Zeiträume entlang der Differenz von als normal und behindert unterschiedenen Adressat*innen ausdifferenzieren konnten, sind auf eine Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen zielende politische und rechtliche Veränderungen wirksam geworden und Diskurse entstanden, die auf eine grundlegende Dekonstruktion der Differenzfigur dis/ability und der damit verbundenen sozialen Segregations- und Exklusionspraktiken zielen. Diese gesellschaftlichen Transformationen, die sich rechtlich beispielsweise in der UN-Behindertenrechtskonvention und in Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN manifestieren, wirken auf die unterschiedlichen pädagogischen Handlungsfelder und Institutionen zurück. Die Abgrenzung und Ausdifferenzierung von Sonderinstitutionen für Menschen mit Behinderungen scheint mit grundlegenden menschenrechtlichen Anforderungen an die Gestaltung sozialer Institutionen nicht mehr vereinbar zu sein. Für das Feld des pädagogischen Handelns und die Welt pädagogischer Einrichtungen und Institutionen erzeugt dies drängende und komplexe Transformationsbedarfe. Im Zentrum dieser laufenden, ansetzenden oder auch nur als erforderlich beschreibbaren Veränderungen stehen Entwicklungsbedarfe, mit denen sich pädagogische Professionelle und die Organisationen, in denen sie arbeiten, konfrontiert sehen. Nach ihnen benennt sich unsere neue Zeitschrift: Qualifizierung für Inklusion.

Die Zeitschrift ist multidisziplinär und multiparadigmatisch konzipiert. Sie öffnet sich allen relevanten Bildungsbereichen. Publiziert werden theoretische und empirische Beiträge, die sich mit der Erforschung inklusionsbezogener Aus-, Fort- und Weiterbildungsprozesse pädagogischer Fachkräfte befassen. Die Beiträge können von didaktisch-methodischer, konzeptioneller, kompetenz- oder professionalisierungstheoretischer Relevanz sein oder ihren Schwerpunkt auf methodologische Problematiken legen.

Wir hoffen auf ein breites Spektrum innovativer wissenschaftlicher Arbeiten, das die Vielfalt an konzeptionellen Arbeiten zur Entwicklung und Implementierung empirie- und theoriebasierter Qualifizierungsmaßnahmen für inklusive Bildung sichtbar macht. Durch die Bereitstellung einer review-basierten open-access-Publikationsmöglichkeit möchten wir zur Weiterentwicklung des Forschungsfelds der Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte beitragen.

 Die Herausgeber

Dieter Katzenbach und Michael Urban

Veröffentlicht: 2019-12-05

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