Bd. 5 Nr. 2 (2023): Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung im Kontext von Inklusion und Qualifizierung für Inklusion

Die Digitalisierung hat längst Einzug in alle Bereiche unseres Lebens gehalten. Insbesondere im Kontext von Inklusion und Qualifizierung für Inklusion eröffnen sich dabei neue Perspektiven, aber auch Herausforderungen. Dieser Themenschwerpunkt unserer Online-Zeitschrift lädt dazu ein, sich mit aktuellen Diskussionen und Fragestellungen zu diesem Thema auseinanderzusetzen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Bedeutung digitaler Medien im Bildungsbereich stark zugenommen. Doch welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf inklusive Bildungsprozesse? Welche Angebote der Aus-, Fort- oder Weiterbildung existieren bereits, um digitale Teilhabe im Unterricht und im gesellschaftlichen Leben zu fördern, und wie können diese weiterentwickelt werden?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage nach den Chancen und Grenzen digitaler Medien für Menschen mit Behinderungen. Wie können Medien dazu beitragen, ihre Bedürfnisse und Wünsche besser zu kommunizieren und damit die Bildungsgerechtigkeit zu fördern? Welche Schulungen benötigen pädagogische Fachkräfte, um den Einsatz digitaler Medien effektiv zu gestalten?

Die Corona-Pandemie hat auch gezeigt, wie wichtig eine adäquate digitale Infrastruktur für den Unterricht ist. Doch welche konkreten Auswirkungen hatte der digitale Unterricht auf inklusive Bildungsprozesse, und welche Schüler:innen wurden dabei möglicherweise marginalisiert?

Schließlich stellt sich die Frage, welche methodischen, diagnostischen und didaktischen Verfahren eine digitale Teilhabe an inklusiven Bildungsprozessen ermöglichen. Welche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte sind notwendig, um diese Verfahren adäquat umzusetzen?

In diesem Themenschwerpunkt möchten wir verschiedene Perspektiven aufzeigen und Diskussionen anregen, um die Digitalisierung im Kontext von Inklusion und Qualifizierung für Inklusion weiter voranzubringen. Wir freuen uns auf die Beiträge und den Austausch in diesem spannenden Bereich der Bildungsforschung.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen der Lektüre!

Für die Redaktion

Sophia Laux

 

Thementeil

Lehrkräfteausbildung

Die digitale Revolution hat die Bildungslandschaft tiefgreifend verändert und stellt angehende Lehrkräfte vor neue Herausforderungen. Carolyn Blume und Gudrun Marci-Boehncke untersuchen in ihrem Beitrag „Digitalisierung (nicht nur) im Dienst der Inklusion in der Lehramtsausbildung der sprachlichen Kernfächer“ die Bedeutung digitaler Kompetenzen in der Lehramtsausbildung der Fächer Deutsch und Englisch, mit besonderem Fokus auf Inklusion. Ihre Studie zeigt, dass Lehramtsstudierende die Relevanz digitaler und inklusiver Bildung erkennen, sich jedoch oft unzureichend darauf vorbereitet fühlen. Dies weist auf einen dringenden Bedarf an gezielten Lehr- und Lerngelegenheiten hin. Inklusive Bildung durch Digitalisierung bietet große Chancen, erfordert jedoch eine praxisnahe und umfassende Vermittlung digitaler Kompetenzen in der Lehrerausbildung. Nur so können Lehrkräfte ausgebildet werden, die die digitale und soziale Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler fördern.

Die sozialen Transformationsprozesse der Digitalisierung und Inklusion stellen die Lehrkräftebildung vor erhebliche Herausforderungen. Frank Beier und Tina Czaja thematisieren in ihrem Beitrag „Digitalisierung, Inklusion und Gamification. Verschränkung von Querschnittsthemen in der Lehrkräftebildung im Lehr-Lern-Raum Inklusion“ die Notwendigkeit, zukünftigen Lehrkräften Kompetenzen zu vermitteln, um innovative digitale und inklusive Lernumgebungen gestalten zu können. Beier und Czaja präsentieren das Konzept des Lehr-Lern-Raumes Inklusion, in dem Studierende auf flexible und innovative Lernszenarien vorbereitet werden. Der Gamification-Ansatz wird als Beispiel herangezogen, um zu zeigen, wie Digitalisierung und Inklusion als gemeinsame Themen in der Lehrkräftebildung sinnvoll integriert werden können.

Ein diklusiver (digitaler und inklusiver) naturwissenschaftlicher Unterricht bietet sowohl einzigartige Potenziale als auch spezifische Barrieren. René Schroeder und Silvia Fränkel analysieren in ihrem Beitrag „Das Kompetenzmodell ITPACK-NW für die diklusive Lehrkräftebildung in den Naturwissenschaftsdidaktiken“ die Anforderungen an die Lehrkräftebildung, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Der Beitrag untersucht den aktuellen Forschungsstand und identifiziert Leerstellen sowie Qualifizierungsbedarfe für (angehende) Lehrkräfte. Das TPACK-Modell (Technological Pedagogical Content Knowledge) wird dabei weiterentwickelt und um die Bedarfe eines diklusiven naturwissenschaftlichen Unterrichts ergänzt, was zum erweiterten ITPACK-NW-Modell führt. Schroeder und Fränkel zeigen auf, wie das ITPACK-NW-Modell in der Lehrkräftebildung und Forschung eingesetzt werden kann, um den Unterricht inklusiver und digitaler zu gestalten. Dieses Modell stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung im naturwissenschaftlichen Bereich dar.

Die ad hoc Digitalisierung von Lehrveranstaltungen im Frühjahr 2020 stellte Lehrende und Lernende vor große Herausforderungen und Chancen. Franziska Rogge und Kolleg:innen untersuchen in ihrem Beitrag „Die Entwicklung technikbezogener Überzeugungen im Rahmen inklusionspädagogischer Professionalisierung im Lehramtsstudium Sekundarstufe während der Corona-Semester“ die Entwicklung technikbezogener Überzeugungen bei Lehramtsstudierenden der Sekundarstufe über drei Semester (SoSe 2020 bis SoSe 2021) während der Covid-19-Pandemie. Die Ergebnisse zeigen eine positive Entwicklung der Technikkontrollüberzeugung und -akzeptanz. Lehramtsstudierende bewerteten ihre digitalen Kompetenzen zunehmend als wichtigen Teil ihrer Professionalisierung. Diese positive Entwicklung bietet eine solide Grundlage für die Integration digitaler Kompetenzen in inklusiven Bildungssettings und zeigt das Potenzial der Kultur der Digitalität für die Professionalisierung zukünftiger Lehrkräfte.

Die zunehmende Digitalisierung prägt nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch das Bildungssystem. Alessa Schuldt, Birgit Lütje-Klose, Lilian Streblow und Martin Heinrich beleuchten in ihrem Beitrag „Inklusionssensible Lehrer*innenbildung goes digital. Forschung, Entwicklung und Strukturbildung von digitalisierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten an der Universität Bielefeld“ die Integration digitaler Elemente in die inklusionssensible Lehrer*innenbildung. Digitale Medien bieten die Chance, gesellschaftliche Teilhabebarrieren zu minimieren, und sind daher im Kontext von Inklusion von großer Bedeutung. Der Beitrag skizziert Strategien zur Digitalisierung, wobei sowohl standortunabhängige als auch -spezifische Aspekte berücksichtigt werden. Durch die Darstellung des Ist-Zustands digitaler Aus-, Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen wird der Stellenwert digitaler Medien für die hochschulinterne Strukturentwicklung verdeutlicht. Der Beitrag liefert somit wichtige Einblicke in die Entwicklung digitaler Lehr- und Lernangebote im Bereich inklusionssensibler Lehrer*innenbildung.

Franco Rau, Lisa Mudder, Lea Schröder, Susanne Schorer, Marie-Christine Vierbuchen und Clemens Hillenbrand präsentieren in ihrem Beitrag „Handlungsstrategien für heterogene Klassen. Qualitätssicherung von OER für die Lehrkräftebildung“ Strategien zur Entwicklung und Qualitätssicherung von Open Educational Resources (OER) für die Lehrkräftebildung im Kontext heterogener Klassen. Das Projekt „Handlungsstrategien für heterogene Klassen - OER für die Lehrkräftebildung“ dient als Fallbeispiel und zeigt auf, wie OER entwickelt, erprobt und verbessert werden können, um angehende Lehrkräfte für inklusiven Unterricht zu qualifizieren. Durch verschiedene methodische Zugänge, darunter die „Thinking Aloud“-Methode und Gruppendiskussionen mit Dozierenden, wurden die entstandenen Materialien evaluiert. Der Fokus des Beitrags liegt auf den Ergebnissen qualitativer Forschungszugänge, aus denen wichtige Erkenntnisse für die hochschuldidaktische Gestaltung von OER zur Lehrkräftequalifizierung im Bereich inklusiver Bildung abgeleitet werden können.

Igor Krstoski und Lea Schulz beleuchten in „Was Technologien ermöglichen könnten - Zur Bedeutung Assistiver Technologien für die Lehrer:innenbildung“ die Bedeutung von Assistiven Technologien (AT) für die Lehrer:innenbildung. AT ermöglichen Schüler:innen mit besonderen Bedürfnissen eine gleichberechtigte Teilhabe am Unterricht und spielen eine entscheidende Rolle für ihre Bildungschancen. Trotz der hohen Relevanz von AT wird ihre Implementation in der Schule oft vernachlässigt. Der Beitrag betont die Notwendigkeit einer Lehrer:innenausbildung, die Lehrkräfte befähigt, AT effektiv im Unterricht einzusetzen. Ein vorgeschlagenes Seminarkonzept rundet den Beitrag ab.

Dorit Weber-Liel und Bärbel Kracke präsentieren in „Digitale Lerngemeinschaften für Inklusion: Erste Einblicke aus dem Projekt DiLe“ einen innovativen Ansatz, der darauf abzielt, die Studieninhalte zur Inklusion für Lehramtsstudierende durch einen systematischen Austausch zwischen Universität und Praktikumsschulen praxisnäher zu gestalten. Eine zentrale These stellt die bildungspolitische Forderung nach inklusiver Bildung dar, die angehende Lehrkräfte vor erhebliche Herausforderungen bringt. Basierend auf dem Design-Based Research-Ansatz wird eine digitale Lernumgebung entwickelt, die sowohl Studierende im Praxissemester als auch ihre Mentor:innen einbindet. Ziel ist es, kohärente Lerngelegenheiten zu den Themen schulische Inklusion und Umgang mit Heterogenität zu schaffen und Mentor:innen zur gemeinsamen Praxisreflexion im Sinne Professioneller Lerngemeinschaften zu qualifizieren. Erste Forschungsergebnisse aus Interviews mit Lehrkräften geben wertvolle Einblicke in die Usability, Gestaltung, Nützlichkeit und Relevanz der entwickelten Inhalte und bestätigen die Bedeutung dieses Projekts für die zukünftige Lehrkräftebildung.

Unterricht

Die Corona-Pandemie hat die Schwächen des Distanzlernens deutlich gemacht, viele Schüler fühlten sich isoliert. Anke Redecker plädiert in ihrem Beitrag „Verständigung ermöglichen – Eigenständigkeit anregen. Zur Bildungsrelevanz von Online-Lehre in inklusiven Settings“ für eine diskursive Bildung, die auf Interaktion und gemeinsames Lernen setzt, statt auf einsame Drill-and-Practice-Programme. Online-Lehre, insbesondere durch regelmäßige Videokonferenzen, kann Struktur und vielfältige Interaktionsmöglichkeiten bieten. Sie ermöglicht, dass Schüler:innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Voraussetzungen voneinander und miteinander lernen. Dies fördert Bildungsgerechtigkeit und unterstützt kreative und eigenständige Lernprozesse. Redecker zeigt, dass inklusiv gestaltete Online-Lehre entscheidend zur Bildungsgerechtigkeit beitragen kann, indem sie Verständigung ermöglicht und Eigenständigkeit anregt.

Digitale Medien bergen sowohl Chancen als auch Risiken für die Bildungslandschaft. Traugott Böttinger und Lea Schulz analysieren in ihrem Artikel „Teilhabe an digital-inklusiven Bildungsprozessen - Das Universal Design for Learning diklusiv als methodisch-didaktischer Unterrichtsrahmen“, wie digitale Medien Exklusionsrisiken im Unterricht verringern und Lernzugänge eröffnen können. Sie beleuchten die Frage der Teilhabe an digitalen Bildungsprozessen in inklusiven Unterrichtssettings. Der Beitrag stellt das Konzept der Diklusion in den Mittelpunkt, das digitale und inklusive Elemente im Unterricht integriert. Böttinger und Schulz präsentieren das Universal Design for Learning diklusiv als methodisch-didaktischen Rahmen, der zur Planung und Durchführung von diklusivem Unterricht dient. Zudem wird eine universitäre Ausbildungsmaßnahme für zukünftige Lehrkräfte vorgestellt, die diesen Ansatz vermittelt. Abschließend erfolgt eine kritische Einordnung und Diskussion der Implikationen für die Lehrkräftebildung.

Sprache spielt eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Partizipation im Schulunterricht – auch im Fach Sport, das primär bewegungsorientiert ist. Svenja Kehm, Hannah Wirths, Heike Tiemann und Christian Glück analysieren in „Digitale Medien zur Unterstützung eines sprachsensiblen (inklusiven) Sportunterrichts“ die sprachlichen Herausforderungen im Sportunterricht und zeigen auf, wie digitale Medien diese Barrieren überwinden können. Der Artikel beleuchtet, wie diese sprachlichen Barrieren im Sportunterricht durch einen sprachsensiblen Ansatz überwunden werden können. Digitale Medien und Technologien bieten dabei eine wertvolle Unterstützung. Anhand eines Praxisbeispiels aus der universitären Ausbildung von Sportlehrkräften zeigen Kehm et al., wie digitale Medien zur Förderung eines sprachsensiblen und inklusiven Sportunterrichts eingesetzt werden können. Ein sprachsensibler Sportunterricht, unterstützt durch digitale Medien, kann einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit leisten.

Die Integration von Digitalisierung und Inklusion stellt Schulen vor große Herausforderungen und bietet zugleich zahlreiche Chancen. Navina Schilling, Jonas Goltz, Sebastian Koisser, Christine Demmer, Jessica Löser und Rolf Werning präsentieren in ihrem Beitrag „Gestufte digitale Lernhilfen als Professionalisierungskonzept für inklusiven Naturwissenschaftsunterricht“ das Projekt DiLernProfis, das gestufte digitale Lernhilfen in Form von Tablet-Apps im inklusiven Naturwissenschaftsunterricht der Sekundarstufe I untersucht. Die entwickelten Apps sollen Schüler:innen ermöglichen, Aufgaben selbstständig zu bearbeiten. Erste Ergebnisse aus Unterrichtsbeobachtungen und Lehrkräfteinterviews zeigen jedoch eine unzureichende Passung der digitalen Lernhilfen zu den vielfältigen Lernvoraussetzungen der heterogenen Lerngruppen. Diese Befunde sind zentral für die Entwicklung eines Fortbildungskonzepts, das Lehrkräfte darauf vorbereitet, gestufte digitale Lernhilfen effektiv und sensibel im inklusiven Unterricht einzusetzen.

Julia Weltgen, Joanna Pfingsthorn und Heike Hegemann-Fonger setzen sich in ihrem Beitrag „Sprachlos?! – Entwicklungsmöglichkeiten kommunikativer Kompetenzen im digitalen Englischunterricht während der Corona-Pandemie“ mit den Herausforderungen des inklusiven Fremdsprachenunterrichts während der Corona-Pandemie auseinander. Die Umstellung auf digitales Distanzlernen brachte unvorhergesehene Schwierigkeiten mit sich, insbesondere im Bereich der Kommunikation. Der Artikel basiert auf einer Online-Umfrage und qualitativen Interviews mit Fremdsprachenlehrkräften im Bundesland Bremen. Die Autorinnen beleuchten die wahrgenommenen Möglichkeiten zur Vermittlung kommunikativer Kompetenzen im Englischunterricht und untersuchen den Einfluss der Ausstattung mit iPads auf die Unterrichtsqualität. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Erfahrungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 und den daraus resultierenden Erkenntnissen für die Unterrichtsgestaltung.

Franziska Rein erkundet in ihrem Beitrag „Virtual and Augmented Reality im Geschichtsunterricht mit Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf“ die Potenziale von Virtual und Augmented Reality im Geschichtsunterricht für Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Sie untersucht, wie diese Technologien historisches Lernen und Lehren bereichern können und welche Herausforderungen dabei zu beachten sind. Der Fokus liegt dabei nicht auf einem spezifischen Förderbedarf, sondern auf einem umfassenden Überblick über verschiedene Bedürfnisse

Professionalisierung

Die Nutzung von Open Educational Resources (OER) gewinnt auch im Schulbereich zunehmend an Bedeutung. Jessica Berger, Katharina Maitz und Barbara Gasteiger-Klicpera haben in ihrer qualitativen Interviewstudie die Nutzungspraktiken und Weiterbildungsbedarfe von Lehrpersonen in Österreich untersucht. Trotz geringer Berührungspunkte mit dem Begriff OER, verwenden alle befragten Lehrkräfte regelmäßig solche Ressourcen im Unterricht. Es zeigt sich jedoch eine Unsicherheit in der genauen Abgrenzung von OER zu anderen Materialien. Besonders wertvoll erweisen sich OER für die Individualisierung und Differenzierung des Unterrichts, wobei leicht adaptierbare Dateiformate bevorzugt werden. Ein zentraler Wunsch der Lehrpersonen ist der Ausbau des Materialangebots. Dies könnte durch die Erweiterung bestehender Plattformen oder die Schaffung einer neuen, benutzerfreundlichen Plattform erreicht werden. In Ihrem Beitrag „Open Educational Resources im inklusiven Unterricht: Eine qualitative Interviewstudie zu Nutzungspraktiken und Weiterbildungsbedarfen von Lehrpersonen“ werden Ergebnisse der Studie skizziert, welche die Notwendigkeit gezielter Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote zu OER unterstreichen, um deren Potenziale im inklusiven Unterricht voll auszuschöpfen und die Lehrkräfte besser zu unterstützen.

Die zunehmende Digitalisierung und Inklusion im Schulwesen stellen Lehrkräfte vor neue Herausforderungen. Julia Warmdt, Henrik Frisch, Katharina Kindermann, Sanna Pohlmann-Rother und Christoph Ratz beleuchten in ihrem Beitrag „Professionalisierung von Lehrkräften für Digitalität und Inklusion“ die Notwendigkeit der Professionalisierung von Lehrkräften für digitale und inklusive Lehr-Lernkontexte. Sie identifizieren wesentliche Kompetenzen für Lehrkräfte und entwickeln ein Modell mit sieben Kompetenzbereichen, das auf medienpädagogischen und inklusionsbezogenen Diskursen basiert. Ein konkretes universitäres Seminarkonzept zeigt, wie angehende Lehrkräfte diese Kompetenzen erwerben können. Der Beitrag unterstreicht die Bedeutung systematischer Qualifizierung und reflektiert die Seminarergebnisse hinsichtlich ihrer Relevanz für die Lehrkräftebildung.

Bierschwale et al. präsentieren in ihrem Beitrag „Digitalität meets Inklusion: Vorstellung eines Selbstlernangebots für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften“ ein innovatives Selbstlernangebot für Lehrkräfte. Dieser Online-Lehrgang sensibilisiert (angehende) Lehrkräfte für die Potenziale digitaler Medien in einer inklusiven Schulumgebung. Durch grundlegende Module und thematische Einheiten werden die Teilnehmenden befähigt, Medien inklusiv im Unterricht einzusetzen und Bildungsmaterialien entsprechend auszuwählen. Die Gestaltung als Open Educational Resource (OER) stellt sicher, dass das Angebot für alle zugänglich ist. Der Beitrag erläutert die Struktur und Inhalte des Lehrgangs sowie dessen methodisch-didaktische Prinzipien und diskutiert Potenziale und Herausforderungen dieses Ansatzes.

Daniela Ender, Lisa Paleczek und Jessica Berger stellen in „Erstellen und Digitalisieren von inklusivem Unterrichtsmaterial. Ein Fortbildungskonzept“ ein Fortbildungskonzept vor, das Lehrpersonen befähigt, maßgeschneiderte Unterrichtsmaterialien zu erstellen und zu digitalisieren. Zwölf Lehrkräfte wurden in einer prozessbegleitenden Fortbildung unterstützt, Sachtexte zu Nachhaltigkeitsthemen zu verfassen und zu digitalisieren. Die Ergebnisse zeigen, dass der Prozess zeitintensiv, aber lohnenswert war, mit wichtigen Unterstützungselementen wie Teamarbeit und Feedback des Projektteams. Der Editor zur Digitalisierung wurde positiv aufgenommen und bietet vielfältige Möglichkeiten für inklusiven Unterricht.

Digitalisierung und Arbeitsleben

Bastian Pelka, Lisa Preissner, Ann Christin Schulz und Caroline Mosch präsentieren in ihrem Aufsatz „Qualifikationsanforderungen für die pädagogische Arbeit zum Erwerb von Digitalkompetenzen im Reallabor“ das Reallabor als innovatives Instrument zur Vermittlung von Digitalkompetenzen. Dieser Ansatz kombiniert physische Orte und Technologien, um Menschen aus marginalisierten Gruppen gezielt zu unterstützen. Anhand von vier Fallstudien, darunter ein Internet-Café in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen und ein umfunktionierter Postraum als Makerspace, zeigen die Autor:innen, wie Reallabore in der Praxis funktionieren. Sie diskutieren die spezifischen Kompetenzanforderungen für pädagogische Fachkräfte und die notwendigen Veränderungen in pädagogischen Rollen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Anpassung pädagogischer Qualifikationen, um den Anforderungen des Reallabor-Ansatzes gerecht zu werden und die digitale Teilhabe marginalisierter Gruppen zu fördern.

Die Pandemie hat die Notwendigkeit digitaler Medien für die berufliche und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung verdeutlicht. Sabrina Lorenz, Marianne Kreuder-Schock, Irina Kreider, Sylvia Lietz und Thomas Schley untersuchen in ihrem Beitrag die „Digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung – Erste Erkenntnisse zu Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung im Arbeitsleben“. Der Forschungsstand wird entlang der Dimensionen „Teilhabe an, Teilhabe durch und Teilhabe in digitalen Technologien“ zusammengeführt. Eine explorative Online-Befragung zeigt erste Erkenntnisse und betont die Vielfalt innerhalb der Gruppe der Menschen mit Behinderung, deren Bedürfnisse und Herausforderungen stark variieren. Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit individueller Ansätze und spezialisierter Strategien auf, um die digitale Teilhabe effektiv zu fördern. Der Beitrag bietet wertvolle Einblicke in die aktuelle Forschung und hebt die Bedeutung weiterer Untersuchungen hervor, um zukunftsfähige Strategien zur digitalen Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu entwickeln.

Allgemeiner Teil

Im ersten allgemeinen Beitrag „Die Fraglichkeit der Transformation. Diskursive Kämpfe im Kontext inklusions-orientierter Lehrer*innenbildung“ präsentiert Susanne Gottuck die Ergebnisse einer Studie zur Transformation in diskursiven Gruppendiskussionen mit Lehramtsstudierenden. Der Fokus liegt auf den Deutungskämpfen rund um das Thema Inklusion und wie die Studierenden mit verschiedenen diskursiven Kräften ringen. Die Analyse deckt auf, wie sich die Studierenden in Bezug auf die Bildungsreform positionieren und welche Möglichkeitsräume für inklusives Lehren und Lernen dadurch eröffnet oder begrenzt werden.

Jule Behr und ihr Team präsentieren in „Bewertung einer prozessbegleitenden Qualifizierung zur inklusiven Schul- und Unterrichtsentwicklung durch die teilnehmenden Lehrkräfte“ ihre Studie, die untersucht, welche Faktoren die Bewertung und Wirksamkeit solcher Fortbildungen beeinflussen. Die Ergebnisse bieten Einblicke in die Struktur professioneller Entwicklung und die Bedeutung von Kontext- und Personenfaktoren für die Lehrer:innenbildung.

Veröffentlicht: 2023-03-30

Thementeil